Europäische Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen fordern sofortige Anerkennung von Indianergebieten in Brasilien
Erbitterter Streit um Indianerrechte in Brasilien
Berlin, 15.6.05 - In Berlin, London und Brüssel protestieren heute Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen gegen die zögerliche Haltung der brasilianischen Regierung bei der Demarkierung der Indianergebiete der Tupinikim und Guarani im Bundesland Espirito Santo. In Berlin übergeben am Mittag Vertreter der Umweltorganisationen urgewald und ROBIN WOOD eine Solidaritätsnote an die brasilianische Botschaft, in der sie den brasilianischen Justizminister Márcio Thomaz Bastos auffordern, die Demarkierung der Ländereien unverzüglich in die Wege zu leiten. So soll eine mögliche gewaltsame Eskalation vor Ort verhindert werden.
Konkret geht es um 11.000 Hektar Land, das derzeit vom größten Zellstoffkonzern des Landes, Aracruz Celulose, besetzt gehalten wird. Rechtmäßiger Besitzer dieses Landes sind nach Studien der staatlichen Indianerbehörde FUNAI die dort beheimateten 1600 Tupinikim und 200 Guarani. Bisher verweigert der Zellstoffkonzern, der insgesamt über Plantagenflächen im Umfang von ca. 250.000 Hektar verfügt, rigoros die Rückgabe der mit Eukalyptus bepflanzten Ländereien an die Indianer. Beobachter fürchten nun eine erneute Zuspitzung der Situation, ähnlich wie 1998, als die Indianer ein erstes Gebiet im Umfang von 4.500 Hektar ebenfalls erst nach zähen und teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit dem Zellstoffkonzern vom brasilianischen Staat zurück bekommen hatten.
"Angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit ist es unverständlich, dass der brasilianische Staat sich so lange in Schweigen hüllt. Deswegen muss jetzt der Druck auf die brasilianische Regierung erhöht werden, die verfassungsgemäßen Rechte der Indianer auch de facto durchzusetzen", erläutert Barbara Happe von urgewald die Protestaktion. "Denn nur schnelles Handeln kann eine friedliche Lösung des Konfliktes garantieren". Die Protestnote haben allein in Deutschland um die 20 Organisationen unterzeichnet.
Seit Anfang des Jahres spitzt sich die Situation in der Region kontinuierlich zu. Im Februar hatten die Indianer in einer gemeinsamen Resolution erklärt, dass sich ihr Lebensstandard zunehmend verschlechtere und sie immer mehr zu "Gefangenen des Projektes Aracruz" würden. Gleichzeitig kündigten sie Aktionen zur Wiedererlangung ihrer Territorien an. Im Mai folgten die Selbstdemarkierung ihrer Ländereien sowie weitere Protestaktionen, wie z.B. ein Protestmarsch durch die Innenstadt der Provinzhauptstadt VÃtoria. Sie ermahnten die Regierung Lula, dass "die Zukunft der indigenen Völker wichtiger als der Export von Zellstoff" sei. Aracruz reagierte auf diese Aktionen, indem es erfolglos die Gerichte anrief und eine Medienkampagne gegen den Indianerprotest startete.
"Auch in Klopapier und Taschentüchern, die auf dem deutschen Markt verkauft werden, steckt Zellstoff von Aracruz. Die deutschen Kunden aber wollen keine Produkte kaufen, für die Indianer von ihrem Land vertrieben wurden. Deshalb müssen sich wichtige Kunden von Aracruz wie der Konzern Procter&Gamble (Tempo-Taschentücher, Charmin-Klopapier) dafür einsetzen, dass der Landrechtskonflikt friedlich gelöst wird", fordert Peter Gerhardt von der Umweltorganisation ROBIN WOOD.
Kontakt:
Peter Gerhardt, ROBIN WOOD, Handy: 0171 835 95 15, Ute Bertrand, ROBIN WOOD-Pressestelle, 040 / 380 892 22
Barbara Happe, urgewald, Handy: 0172 68 144 74
In Brasilien: FASE, Tel.: +55 27 3322 6330 oder +55 27 3223 7436 oder +55 27 8817 5610
15.06.2005 - 22:41 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 380 X
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