Methan, Leuchtgas und CO – Gasversorgung, Pipelines und Technik gestern und heute
Bonn, 28.09.2007 - Die kalte Jahreszeit steht bevor – Wärme in den eigenen vier Wänden ist bald wieder gefragt. Knapp 48 Prozent der Wohnungen werden heute mit Gas beheizt. Doch kaum jemand kennt die lange Entwicklung, die dahinter steht.
Vom „Leuchtgas“ zum Energieträger
Erste Überlegungen zur sinnvollen Nutzung der Gase, die bei der Verkokung von Braun- und Steinkohle anfallen, kamen im frühen 19. Jahrhundert auf. Die Brennbarkeit des entstehenden Gasgemischs machte es interessant für eine Verwendung als Lichtquelle: Damit stand erstmals ein Stoff zur Verfügung, der durch Rohrleitungen transportiert und für die Straßenbeleuchtung eingesetzt werden konnte – daher der Name „Leuchtgas“. London führte 1814 entsprechende Straßenbeleuchtungen ein, Berlin 1826.
In immer mehr Städten entstanden Gaswerke als lokale Erzeuger sowie Speichereinrichtungen, die „Gasometer“, und ein sich immer weiter verzweigendes Rohrleitungssystem. Diese Versorgung vor Ort machte die Nutzung des inzwischen meist als „Stadtgas“ bezeichneten Gasgemischs auch für normale Haushalte möglich.
Die Nachfrage stieg und eine großflächige Versorgung wurde immer wichtiger – insbesondere durch die weitere Nutzung des Gases nicht nur als Lichtquelle, sondern zunehmend als Energieträger zum Heizen und zum Kochen.
Gas im Wandel
Um einen besseren Wirkungsgrad zu erreichen, wurde das Gasgemisch bereits um 1900 verändert: Zu den fast ausschließlich verwendeten Kohlegasen kamen Feuchtgase und Kohlenmonoxid. Das bis weit ins 20. Jahrhundert erzeugte Stadtgas bestand danach hauptsächlich aus Wasserstoff, Methan, Stickstoff und bis zu 9 Prozent Kohlenmonoxid (CO). Die bestehende technische Erfahrung im Umgang mit Gasleitungen sowie umfangreiche Sicherheitsvorschriften für den Hausanschluss erlaubten unter normalen Bedingungen eine fast risikolose Nutzung. Schon im Jahr 1925 stellten die Gaswerke in Deutschland rund 3,2 Milliarden Kubikmeter Stadtgas her.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts führte die Verfügbarkeit von Erdgas zu einer schrittweisen Umstellung auf diesen Energieträger, von der Beimischung zum Stadtgas bis zur Verwendung des reinen Erdgases. Erdgas besteht zu 80 bis 98 Prozent aus Methan und hat einen höheren Wirkungsgrad als das bis dahin verwendete Stadtgas. Die schon vorhandenen Leitungen konnten weiter genutzt werden, Brenner und Endgeräte wurden auf Erdgas umgestellt.
Erdgas kommt zum größten Teil über Fernleitungen nach Deutschland. Es wird gereinigt, über Hochdruckleitungen an regionale bzw. überregionale Energieversorger verteilt und danach den Verbrauchern zur Verfügung gestellt. Die Leitungsnetze allein in Deutschland haben eine Länge von etwa 400.000 km, darüber werden knapp 16 Mio. Wohnungen mit Erdgas versorgt. Damit würde das deutsche Erdgasleitungsnetz – wenn man alle Leitungen gerade aneinander legen könnte – fast zehn Mal um die Erde reichen.
Sicherheit geht vor
Im Umgang mit Gasen war Sicherheit immer schon ein wichtiges Thema. Manche Gase sind brennbar, andere explosiv, wieder andere können toxisch wirken. Die Erfahrungen von Städten und Energieversorgern, aber auch von Chemie- und anderen Unternehmen im gefahrlosen Betrieb von Gasleitungen reichen weit bis ins 19. Jahrhundert zurück. Grundsätzlich sind Gasleitungen und -anlagen heute so zu errichten, dass sie durch die Nutzung von Grundstücken und Gebäuden nicht gefährdet werden. Hinzu kommt eine Fülle von Bestimmungen und Regelwerken für die Verlegung und den Betrieb der Leitungen. Sie regeln vor allem Verlegungstiefe, Druckfestigkeit, die Beschaffenheit der Rohrmaterialien und die Einrichtungen zum Absperren der Leitungen.
Gefahrenabwehrpläne und Überwachungssysteme sorgen für weitere Sicherheit. Dabei werden permanent Druck und Temperatur der transportierten Gase gemessen. So genannte Massenbilanzverfahren vergleichen ständig die Menge des eingespeisten Gases mit der Austrittsmenge. Leckage-Ortungssysteme erfassen selbst geringste Mengen von austretendem Gas. Darüber hinaus werden die Trassen als Fernleitungen gekennzeichnet, regelmäßig überflogen und begangen. Da die Sicherheitsvorkehrungen dem jeweils aktuellen Stand der Technik entsprechen müssen, werden bei Bau und Überwachung immer häufiger High-Tech-Konzepte entwickelt, beispielsweise bei der aktuell von Bayer projektierten Kohlenmonoxid (CO)-Leitung von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen.
Die ständige Aufrechterhaltung der Sicherheitsvorschriften ist aufwändig und teuer, führt aber zu einem anerkannt hohen Sicherheitsstandard in Deutschland.
Jürgen Bieler
Freier Journalist, Bonn
Quelle: bmk/pressebüro / pressbot.net
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