Wie aus Geschichte Gegenwart entsteht
(djd/pt). Selten ist auf dem deutschen Buchmarkt ein historisches Werk erschienen, das so anschaulich die Mechanismen aufzeigt, wie Geschichte eigentlich entsteht. Aus Quellen, denn manchmal ist es nur das Vorhandensein oder Fehlen einer Einzelheit - z.B. der Tagebuchaufzeichnungen des Assistenten von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg aus dem Juni/Juli 1914 -, das in der späteren Diskussion den Unterschied macht.
Autor Bernd F. Schulte spannt den Bogen von den Ereignissen um diese so genannten "Riezler-Tagebücher" weiter - hin zu Kontinuitätslinien deutscher Außenpolitik von 1900 bis 2003. Es geht ihm nicht um historische Verklärung, sondern um das Bewusstsein von der expansiven deutschen Politik seit dem Kaiserreich. Er wendet sich der rationalen Grundlage internationaler Beziehungen zu und durchleuchtet die strategische Vorbereitung des Ersten Weltkrieges, gelangt zu Vorüberlegungen vergleichbarer Art in unserer Zeit (Kuwait- und Irakkrieg) und wird von namhaften Historikern wie W. Wette/Freiburg, J. Moses/Brisbane und H. Otto/Potsdam durch Beiträge unterstützt. So wird Einblick in die Hintergründe heutiger deutscher Außenpolitik geboten und womöglich die Betrachtung der aktuellen Tagesnachrichten künftig zum Aha-Erlebnis.
Bernd F. Schulte, Weltmacht durch die Hintertür, Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen Bd. 2, Hamburg 2003, 521 S., 28,40 Euro, ISBN 3-8311-4967-4.
Quelle: Extra Blatt / pressetreff.de
19.08.2005 - 18:05 Quelle: pressetreff.de | Gelesen: 157 X

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