Union bleibt auch mit von Pierer innovationsarm
AG Bildung und Forschung
30. August 2005 - Zur Vorstellung von Heinrich von Pierer als neuen innovations- und wirtschaftspolitischen Berater der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel erklaert der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Joerg Tauss:
Heinrich von Pierer zum Vorsitzenden eines "Rates fuer Innovation und Wachstum" zu machen, ist ein weiterer personalpolitischer Fehlgriff von Angela Merkel. Mehr noch: Innovations- und forschungspolitisch gleicht dies einem Offenbarungseid. Sicherlich gibt es viele Bereiche, in denen der Rat eines Wirtschaftsmanagers wie von Pierer wertvoll sein kann - am allerwenigsten aber steht der Name Heinrich von Pierer fuer zukunftsweisende Innovationen und erfolgreiche Marktentwicklungspolitik. Mit dem Namen von Pierer ist keine einzige bahnbrechende Innovation verbunden.
Dennoch hat er sicher seine Staerken:
Von Pierer ist der richtige Mann, wenn man durch die phantasielose Verlagerung von Arbeitsplaetzen ins Ausland allein den Boersenwert eines Unternehmens zu Lasten der Beschaeftigten in Deutschland steigern will. Von Pierer ist der richtige Mann, wenn man in kuerzester Zeit eine ganze Zukunftssparte vor die Wand fahren lassen will. So steht sein Name fuer den Niedergang der Handy-Produktion in Deutschland und deren Ausverkauf an internationale Wettbewerber. Waehrend in anderen Gegenden der Welt diese Branche stetig mit innovativen Produkten neue Maerkte erschliesst, ist unter von Pierer Deutschland als Wettbewerber ausgeschieden.
Von Pierer ist der richtige Mann, wenn man notwendige Strukturanpassungen von Unternehmen hinauszoegern und sie als Sanierungsfall ihren Nachfolgern hinterlassen will. Das Ausmass des Reformbedarfs bei Siemens war selbst fuer den neuen Vorstands-Chef Klaus Kleinfeld ueberraschend gross. Und was vor allem fuer die Zukunft noch wichtiger ist: Von einem "Chef-Innovations-Berater" Heinrich von Pierer werden sicher keine Impulse fuer den forschenden Mittelstand ausgehen, die wir aber dringend brauchen. Nicht die grossen Konzerne, sondern die vielen innovativen kleinen und mittleren Unternehmen sind unser Vorteil im internationalen Innovationswettbewerb um die Maerkte von morgen. Daher ist unsere Innovationspolitik zu Recht besonders auf die Belange von KMU zugeschnitten, von der Foerderpolitik bis hin zur Verwertungsoffensive und den Gruenderfonds. Diesem richtigen Weg droht das baldige Ende, wenn mit von Pierer etwa wieder eine allein industriepolitisch orientierte "Giesskannen"-Forschungsfoerderung Einzug haelt.
Aehnlich wie die Berufung von Annette Schavan oder Paul Kirchhof zeigt dies zudem, dass Merkels Beratungsbedarf wohl nicht weniger im Personalbereich liegt. Bei dem personellen Angebot in der Union koennte man aber auch Mitleid bekommen.
2005 SPD-Bundestagsfraktion - Internet: http://www.spdfraktion.de
Quelle: SPD-BUNDESTAGSFRAKTION / pressrelations.de
30.08.2005 - 18:03 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 538 X