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Der ganz besondere Saft der Bahn


Nur wenige Spezialisten können die gefragten Schaltanlagen für das Bahn-Stromnetz bauen -
AREVA T&D Nord-Ost: „Die Bahn hat uns die Arbeitsplätze erhalten“


Die Bahn ist Deutschlands größter Stromverbraucher. Doch mit Strom aus der Steckdose fährt höchstens eine Modelleisenbahn. Im Fahrdraht der Eisenbahn fließt ein „ganz besonderer Saft“, so genannter Einphasenwechselstrom mit einer Netzfrequenz von 16,7 Hertz. Zum Vergleich: Herkömmlicher Strom für Industrie und Privathaushalte hat eine Netzfrequenz von 50 Hertz. Mit dem Bau der komplizierten Schaltanlagen für Bahnstrom befassen sich in Deutschland nur wenige Spezialisten. Zu ihnen gehört die AREVA T&D. Angesichts der aktuellen Pläne von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), den dramatisch wachsenden Güterverkehr stärker von den Autobahnen auf die Bahn zu verlagern, wird das Nischen-Knowhow aus Leipzig nun immer wichtiger.

„Dass die Bahn ihren eigenen Strom benutzt, hat historische Gründe“, sagt Gunter Oberreich, der als Niederlassungsleiter der AREVA T&D Leipzig für die Zusammenarbeit mit der Bahntochter DB Energie zuständig ist. Als die ersten europäischen Eisenbahnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts elektrifiziert wurden, steckte die Wechselstromtechnik noch in den Kinderschuhen. Die damals verwendeten Stromwender-Motoren verlangten nach einer niedrigeren Netzfrequenz als der heute üblichen. Dieses System blieb in Deutschland und anderen europäischen Ländern bis heute erhalten und wird aus wirtschaftlichen Gründen in Zukunft fortbestehen.

Der Energieversorger der Bahn, DB Energie, unterhält deshalb sein eigenes Überlandnetz. „Das Bahnstromnetz erkennen Sie daran, dass von Hochspannungsmast zu Hochspannungsmast jeweils vier Leiterseile und nicht die üblichen sechs Leiterseile verlaufen“, erklärt Oberreich.

Damit der haushaltsübliche Strom zu Bahnstrom wird, sind spezielle Kraftwerke, Umformerwerke und Umrichterwerke nötig. Rein äußerlich ähneln die Containerbauten Umspannwerken, doch in ihrem Innenleben unterscheidet sich die Technik wesentlich von der des normalen Stromnetzes, wie Gunter Oberreich betont. Um die Umrichterwerke der Bahn neu zu bauen, ist Nischen-Knowhow notwendig. Die AREVA T&D Nord-Ost baut Umrichterwerke als schlüsselfertige Großanlagen – bei Ingenieuren als „turn-key-Projekte“ bezeichnet – zuletzt in Thyrow (Brandenburg).

Das Umrichterwerk Lübeck gehört zu einem der wichtigsten Schienen-Projekte in Norddeutschland: Mit der Elektrifizierung der Strecke Hamburg-Lübeck-Travemünde erhält Lübeck als letzte deutsche Großstadt elektrischen Bahnanschluss. In Doberlug-Kirchhain (Brandenburg) greift das Programm „Masseloses Netz“ der Bahn. Es sieht vor, dass die früher üblichen mechanisch rotierenden Umformerwerke mit Generator und Motor nach und nach durch statische Umrichterwerke, welche die Frequenz allein mit feinen elektronischen Bauteilen wandeln, ersetzt werden.

Im AREVA-Werk in Ludwigslust stellen Spezialisten die Strom- und Spannungswandler für alle diese Projekte her. Die benötigten Schalter kommen aus den AREVA-Werken in Kassel und Regensburg, die Schutz- und Leittechnik aus Frankfurt und Dresden, die Leistungstransformatoren in patentierter Hermetik-Ausführung aus Mönchengladbach und die Trenner aus dem italienischen Piave. Vor Ort sind bei allen Projekten Teams aus Ingenieuren, Projektmanagern, Schaltanlagenbauern, Monteuren und Inbetriebnehmern der AREVA T&D.

„Für uns ist die DB Energie als Partner enorm wichtig“, betont Gunter Oberreich von der AREVA T&D Nord-Ost. „Als nach der Öffnung des Strommarktes im Jahr 1998 bei vielen Netzbetreibern ein Sparprogramm angesagt war“, so Oberreich, „hat die Bahn kontinuierlich weiter in Neubau, Instandhaltung und Modernisierung ihres Netzes investiert – sie hat uns als Spezialisten weiterhin Aufträge beschert und Arbeitsplätze erhalten.“

Die Bahn setzt ihr Programm „Masseloses Netz“ fort und investiert auch weiterhin in ein leistungsfähiges Netz: In Frankfurt/Oder etwa steht der Bau eines neuen Umrichterwerkes an. Und im sächsischen Lohsa soll ein Umrichterwerk für die geplante Niederschlesische Magistrale – eine „Güterautobahn auf Schienen“ von Wittenberg durch die Lausitz zur polnischen Grenze – entstehen.

AREVA T&D Nord-Ost gehört zum französischen AREVA-Konzern. Bereits seit mehreren Jahrzehnten entwickeln, fertigen und liefern die Ingenieure und Techniker Produkte und Systeme für die Energieübertragung. Zwischen Ostsee und Erzgebirge arbeiten an zehn Standorten, in dem Team um Regionaldirektor Reinhard Bahrke, 200 Mitarbeiter.





Quelle: oak media GmbH / pressbot.net

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05.08.2008 - 0:00 Quelle: pressbot.net | Gelesen: 531 X

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