Bundesbern geht in die Ferien -- Ozonproblem ungelöst
17. Juni 2005 - Bern. Die Schweiz hat auch diesen Sommer über eine Million Ozonopfer zu beklagen. Bundesbern scheint"s nicht zu kümmern: eine weitere Session geht zu Ende, ohne dass konkrete Massnahmen gegen ozonbedingte Gesundheitsschäden beschlossen wurden. Greenpeace ist nicht länger gewillt, diesem Trauerspiel zuzusehen und forderte heute morgen mit einer Aktion auf dem Bundesplatz verstärkte Massnahmen vom Parlament. Greenpeace verlangt Massnahmen zur Treibstoffreduktion im Strassenverkehr. Nur so kann die Ozonbelastung gemindert werden. Positiver Effekt: weniger Schadstoffe und Treibhausgase, also mehr Volksgesundheit und Klimaschutz.
Greenpeace installierte heute Morgen ein Mahnmal auf dem Bundesplatz: 60 menschliche Silhouetten mit brandrot gefärbten Atemwegen, stellvertretend für hunderttausende von Schweizer Ozonopfern. Warntafeln wiesen auf die Quelle des Übels hin: den zu hohen Treibstoffverbrauch des Strassenverkehrs. Aktivisten und Aktivistinnen verteilten Flyer mit Forderungen an die Parlamentsmitglieder.
Der Strassenverkehr wächst uneingeschränkt - und so macht Ozon auch in diesem Sommer krank. Der Stundenmittelwert von 120 Mikrogramm/m3 darf laut Gesetz nur einmal im Jahr übertroffen werden. Real passiert dies hundertfach! Obwohl wirkungsvolle Instrumente existieren, schaut Bundesbern tatenlos zu und nutzte auch diese Session nicht, um sich der überfälligen Ozonfrage anzunehmen. Somit haben in der Schweiz in den nächsten Monaten wiederum 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung mit ozonbedingten Beschwerden zu kämpfen: Augenbrennen, Asthma, Bronchitis sowie beeinträchtigte Leistungsfähigkeit. Besonders betroffen sind Ältere und Kinder. Auch können sich Herz-Kreislaufkrankheiten verschlimmern. Die Eidgenössische Kommission für Lufthygiene schätzt sogar, dass bis zu 300 der 975 zusätzlichen Todesfälle im Hitzesommer 03 auf das Konto der zu hohen Ozonwerte gehen. Damit nicht genug: Bodennahes Ozon gilt als drittwichtigstes Treibhausgas.
Die bisherige Laisser-Faire-Politik hat klar versagt. Die für die Grenzwert-Einhaltung zuständigen Kantone schaffen es nicht, das Ozon-Problem ernsthaft anzugehen. Die nationale Politik muss sich also endlich einschalten und Verantwortung übernehmen. Dazu Greenpeace-Verkehrskampagner Cyrill Studer: "Wollen wir Gesundheit und Klima schützen, brauchen wir eine massive Senkung des Treibstoffverbrauchs. Der Schadstoffaustoss des Verkehrs muss jetzt wirksam und dauerhaft gesenkt werden." Nach der Ablehnung der CO2-Abgabe ist es jetzt umso wichtiger, weitere Massnahmen voranzutreiben: Auf dem Gebiet der Verkehrsverminderung sind dies etwa Roadpricing oder Fahreinschränkungen bei Grenzwertüberschreitungen. Der Durchschnittsverbrauch der in der Schweiz verkauften Neuwagen muss dank finanziellen Steuerinstrumenten deutlich runter.
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17.06.2005 - 11:36 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 1046 X