Europäische Therapiestandards für Blutersatzprodukte fehlen
Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) kritisiert: Unterschiedliche Risikobewertung schafft Unsicherheit
Medizinische Leitlinien, an denen sich die Behandlung von Patienten orientieren soll, dürfen nicht in erster Linie dazu dienen, eine Medizin "nach Kassenlage" festzuschreiben. Dies forderte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) e. V., Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow. Er verlangte Begründungen, wenn deutsche Therapieempfehlungen und medizinische Leitlinien von europäischen Behandlungsstandards abweichen. Medizinische Leitlinien und Therapierichtlinien würden, so Kossow, heute zunehmend von Institutionen geschaffen, die – neben dem Patientenwohl – auch eigene wirtschaftliche oder standespolitische Interessen verfolgen.
Ein Beispiel sei die Versorgung von Patienten mit Blutgerinnungsstörungen. Während in anderen europäischen Ländern Richtlinien existieren, die aus Sicherheitsgründen vorschreiben, dass Patienten mit gentechnisch hergestellten Blutersatzprodukten versorgt werden, kommt man in Deutschland zu einer anderen Risikobewertung. Kossow erinnert daran, dass alleine in den Vereinigten Staaten bisher über 3.000 Patienten verstorben sind, die sich durch biologisch gewonnene Blutersatzprodukte mit Aids oder Hepatitis infiziert hatten.
Zwar sei heute die Produktion biologisch hergestellter Blutersatzprodukte sicherer geworden, trotzdem verbleibe ein Restrisiko, dass mit genetisch hergestellten Blutersatzprodukten zu vermeiden sei. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit habe das Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland für die Sicherheit von Impfstoffen und Sera verantwortlich ist, schon zweimal in diesem Jahr vor der Verseuchung von biologischen Blutersatzprodukten gewarnt. Spender, deren Blut verarbeitet wurde, trugen den Erreger, der die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung auslöst.
In einer Zeit, in der immer wieder neue Erreger oder Erregervarianten mit der Folge bisher unbekannter Krankheiten entstehen, muss – so Kossow – auch ein theoretisches Restrisiko einer Verseuchung ernst genommen werden, zumal dann, wenn es therapeutische Alternativen gibt. Entsprechende nationale Empfehlungen, wie es sie zum Beispiel in Schweden, Frankreich oder den Niederlande gibt, existieren in Deutschland nicht.
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Quelle: DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR VERSICHERTE UND PATIENTEN (DGVP) / pressrelations.de
07.10.2005 - 18:02 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 99 X

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