Schnappauf: Grippeimpfung schützt - aber nicht vor Pandemie und Vogelgrippe
"Auch Geflügelhalter und Asienreisende sollen sich impfen lassen"
München, 26. Oktober 2005 - Einen eindringlichen Appell, sich für das bevorstehende Winterhalbjahr gegen die jährlich wiederkehrende Grippewelle schutzimpfen zu lassen, richtete Gesundheitsminister Werner Schnappauf heute in München an die besonders Erkrankungsgefährdeten. Schnappauf: "Wer älter als 60 Jahre ist, schon gesundheitlich geschwächt ist oder täglich mit sehr vielen Menschen eng zusammentrifft, sollte sich möglichst noch vor Beginn der kalten Jahreszeit schutzimpfen lassen. Denn die echte Virusgrippe, die sog. Influenza, ist nicht ungefährlich. Vor allem, wenn das Immunsystem schon aus anderen Gründen geschwächt ist, kann es zu schweren Komplikationen kommen." Schnappauf erweiterte die Impfempfehlung auf Geflügelhalter und Reisende in Infektionsgebiete wie Südostasien. Generell sollte in Zeiten erhöhter Infektionsgefahr auf Hygiene beim Umgang mit Tieren, vor allem auch Vogelkot besonders hoher Wert gelegt werden.
Nach den Worten Schnappaufs braucht das menschliche Immunsystem nach einer Grippe-Schutzimpfung 7 bis 14 Tage Zeit, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen. Gerade Risikogruppen sollen sich daher rechtzeitig schützen. Im Gegensatz zum gewöhnlichen Schnupfen kann Influenza einen schweren Krankheitsverlauf und unter Umständen tödlichen Ausgang nehmen. Zwischen 8.000 bis 15.000 Menschen kostet die jährliche Grippewelle allein in Deutschland das Leben; bildlich gesprochen stirbt damit pro Jahr eine Kleinstadt aus. Geimpfte hingegen sind vor der Erkrankung geschützt und Ausfallzeiten in der Arbeit werden vermieden. Schnappauf: "Influenza verursacht während der jährlich wiederkehrenden Grippewelle 10 Prozent der Arbeitsausfälle und kostet dadurch der bayerischen Volkswirtschaft 100 Millionen Euro."
Dieses Jahr erfährt aller Voraussicht nach der Aufruf zur Grippeschutzimpfung eine außergewöhnliche Resonanz. Das Vordringen des Vogelgrippevirus nach Europa und die Pandemievorsorge tragen dazu bei, dass die Themen in der Bevölkerung nach Ansicht des Ministers ausgesprochen präsent sind. Daher sei eine Versachlichung und fundierte Aufklärung besonders vonnöten. Schnappauf: "Die Grippeschutzimpfung schützt vor der saisonalen Grippe. Wegen der sich ständig ändernden Eigenschaften der Grippeviren wird der Impfstoff jedes Jahr nach den aktuellen Empfehlungen der WHO zusammen gesetzt. Diese Impfung schützt jedoch weder vor der Vogelgrippe noch vor einer pandemischen Menschengrippe." Es bestehe derzeit aber auch keinerlei Anlass, sich dagegen individuell z.B. durch das Horten von antiviralen Medikamenten zu schützen: "Das Vogelgrippe-Virus H5N1 gefährdet Geflügelbestände; aber es besteht praktisch derzeit kein Risiko für die Bevölkerung. Panik und Hysterie sind deshalb fehl am Platz. Wichtig ist eine konsequente und professionelle Vorsorge, die Bayern seit Langem betreibt". Auch die Weltgesundheits-Organisation WHO sehe im Moment keinen Grund, die Warnstufe vor einer weltweiten Menschen-Grippe (Pandemie) zu heben. Das Gesundheitsministerium wird in den kommenden Wochen sein Informationsangebot noch weiter ausweiten und in einer Kampagne aktiv an die Bürgerinnen und Bürger bringen. Über das bestehende Internetangebot unter www.gesundheit.bayern.de hinaus werden Merkblätter zur Verteilung in den Apotheken und Arztpraxen erstellt, die Besucher der Consumenta durch Experten informiert und die Hotline ""Bayern Direkt"" unter 01801/ 201010 speziell dafür eingerichtet."
Redaktionelle Hinweise:
Es müssen vier Impf-Mittel unterschieden werden.
1. Impfstoff für Menschen gegen die saisonale Grippe (Influenza)
Influenzaviren haben die Fähigkeit, ihre Oberflächenantigene ständig zu ändern. Um die Schutzwirkung der Impfstoffe aufrecht zu erhalten, muss ihre Zusammensetzung jährlich an die aktuell zirkulierenden Influenzaviren angepasst werden. Die Impfstoffe enthalten keine infektiösen Viren, sondern nur Oberflächenteilchen, sogenannte Antigene. Die Impfstoffe können deshalb keine Grippeerkrankung auslösen. Die saisonalen Grippeimpfstoffe schützen nicht vor der Vogelgrippe und auch nicht im Falle einer Influenza-Pandemie.
2. Impfstoff für Menschen gegen eine ""neue, weltweite"" Grippe (Pandemie)
Da es das Pandemievirus noch gar nicht gibt, also erst entstehen muss, kann noch kein wirksamer Impfstoff gegen dieses Virus entwickelt werden. Allerdings werden gegenwärtig Voraussetzzungen geschaffen, um bei Eintritt einer Pandemie möglichst schnell einen wirksamen Impfstoff in ausreichenden Mengen bereitzustellen. So wird z.B. ein sogenanntes Mock-up - Impfvirus entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Art Modell- oder Gerüstvirus, das relativ schnell an ein mögliches Pandemievirus angeglichen werden kann und sich obendrein in Kulturen schnell und komplikationslos vermehren lässt. Dennoch ist damit zu rechnen, dass im Falle einer Pandemie bis zur Bereitstellung von wirksamen Impfstoffen 3-6 Monate benötigt werden. Mit diesen Impfstoffen kann dann die zu erwartende zweite Pandemiewelle abgefangen werden.
3. Impfstoff für Menschen gegen die Vogelgrippe
Ein wirksamer Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung. Dieser ist auch nicht notwendig, da das Vogelgrippevirus H5N1 in der Regel nicht für den Menschen gefährlich ist.
4. Impfstoff für Geflügel gegen die Vogelgrippe
Die Impfung des Geflügels gegen Vogelgrippeviren ist derzeit EU-weit verboten. Bei den derzeit auf dem Markt befindlichen Impfstoffen (alle nicht von der EU zugelassen), ist die Unterscheidung eines geimpften Tieres von einem erkrankten Tier nicht möglich. Es gibt bisher noch keinen sog. ""marker""-Impfstoff, der diese Unterscheidung ermöglicht. Daher besteht die Gefahr, dass Ausbrüche unerkannt bleiben; sich gewissermaßen unter einer ""Impfdecke"" weiter verbreiten. Darüber hinaus sind auch die hohen Kosten ein limitierender Faktor. Und es muss betont werden, dass diese Impfstoffe lediglich die Virusausscheidung verringern können und damit den Infektionsdruck senken. Sie bewirken aber keine virusfreien Tiere. Die Forschungsarbeiten an einem wirkungsvollen Impfstoff laufen zwar auf Hochtouren, bis zur Praxisreife wird aber noch einige Zeit vergehen.
Weitere Informationen: http://www.gesundheit.bayern.de
Quelle: BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT (STMUGV) / pressrelations.de
26.10.2005 - 18:02 Quelle: pressrelations.de | Gelesen: 97 X

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