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FTD: Jäger des verpackten Schatzes – Konkurrenten setzen dem Grünen Punkt-Müllkonzern zu – Konsumgüterindustrie wundert sich über interne Vorgänge beim DSD


Hamburg/Mainz/Köln - Mitte November fiel die Entscheidung in Niedersachsen, vor ein paar Wochen in Bremen: "Der Mainzer Entsorgungsspezialist Landbell kümmert sich in Konkurrenz zum Dualen System Deutschland (DSD) in mittlerweile sieben Bundesländern um den Verpackungsmüll. Bis 2004 war das DSD alleiniger Nutznießer der deutschen Verpackungsordnung. Die schreibt vor: Wer Verkaufsverpackungen in den Verkehr bringt, muss die leeren Verpackungen auch zurücknehmen. Diese Verpflichtung nimmt das DSD ihren Kunden ab, indem es gelbe Tonnen aufstellen und leeren lässt. Das war bislang faktisch monopolistisch organisiert: Die Hersteller hatten keine Wahl; sie zahlten eine Lizenz und durften dafür den Grünen Punkt auf ihre Produkte drucken", schreibt die Financial Times Deutschland. Landbell war das erste Unternehmen, das den Wettbewerb um die Entsorgung der Verpackungen aufnahm. "Als erster und stärkster Wettbewerber zum Ex-Monopolisten DSD bauen wir unsere Vormachtstellung weiter aus", sagt Wolfgang Scherz, Vorstandsvorsitzender von Landbell, gegenüber der FTD. Er ist sicher: Ende nächsten Jahres werde Landbell in ganz Deutschland vertreten sein und den Marktanteil deutlich erhöht haben. "Es hat auch niemanden wirklich überrascht, dass die Marktanteile des Ex- Monopolisten nach der Liberalisierung zurückgehen würden", so Scherz.

In seinen Szenarien habe der noch bis zum Jahresende amtierende DSD-Vorstandsvorsitzende Peter Zühlsdorff schon kalkuliert, dass der Umsatz im Kerngeschäft des Grünen Punktes sich bis 2008 auf 800 Mio. Euro halbieren könnte. Er äußerte sich zudem öffentlich mit der Einschätzung, dem DSD mangele "es doch wohl an einer Equity Story". Sinkende Umsätze, eine angriffslustige Konkurrenz - der jüngst neu eingewechselte Vorstand des DSD, Stefan Schreiter, werde sich nach dem Bericht der FTD schwer tun, eine schnelle Erfolgsgeschichte aus dem Ärmel zu schütteln.

"Aus Expertenkreisen hört man wiederholt, dem DSD fehle es noch an einer klaren Strategie. Der jüngste Wechsel in der Geschäftsform - das DSD ist jetzt eine GmbH, der strafferen Struktur zuliebe - und die personellen Veränderungen im Vorstand unterfüttern die Gerüchte, KKR könnte bald wieder aussteigen. In nächster Zeit wäre ein Verkauf, etwa an ein großes Unternehmen der Abfallwirtschaft, denkbar", so die FTD. Neben Remondis werde nach Brancheninformationen auch die von den Finanzinvestoren Apax und Blackstone beherrschte westfälische Firma Sulo zu den Kandidaten gezählt, die beim Grünen Punkt-Müllkonzern einsteigen könnte.

Auch Insider der Verpackungswirtschaft rechnen mit einem Verkauf des DSD. Mit Stefan Schreiter habe KKR einen reinen Controller an Bord geholt, der zwar nichts vom Entsorgungsgeschäft verstehe, aber die Kostenstruktur des DSD bereinigen werde. "Wenn KKR klug ist, wird das DSD sehr schnell veräußert", so ein Vertreter der Konsumgüterwirtschaft, der sich seit 14 Jahren mit dem Verpackungsrecycling beschäftigt. Die Auflösungstendenzen beim Grünen Punkt seien unübersehbar: "Das Geschäft werden die Wettbewerber des DSD machen", so die Prognose des Brancheninsiders. Allerdings müsste der Controller Schreiter schnell handeln, denn die Werthaltigkeit des Müllsammlers sei eigentlich nicht mehr zu retten.

"Die Stimmung in der zweiten und dritten Reihe der DSD-Mitarbeiter geht gegen null. Da sind schon Absetzbewegungen zu erkennen". Der Verpackungsmann verweist auf eine weitere Demission beim Müllsammler, die in der Öffentlichkeit bislang noch gar nicht so richtig zur Kenntnis genommen wurde. Es handelt sich um den Weggang von Christian Jeschonek. Der Generalbevollmächtigte des DSD und Leiter für Vertrieb und Entsorgung/Neue Geschäftsfelder, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch nach nur zehn Monaten zum 31. Dezember 2005. Jeschonek sollte eigentlich das DSD unternehmerisch ertüchtigen. Was er beim DSD vorfand, war ein Team, das bereits extrem lange beim Dualen System arbeitet (durchschnittliche DSD-Betriebszugehörigkeit: acht Jahre) und das sich noch nie im Wettbewerb bewähren musste. Vertrieb, das hieß beim DSD bislang: Standardverträge rausfaxen, Bestellungen entgegennehmen. Man war eben Monopolist. Sehr erfolgreich könne Jeschonek nicht gewesen sein, wenn er bereits nach zehn Monaten das Handtuch wirft.




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16.12.2005 - 13:01 pressbot.net | 648 X

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